Stefan Skowron, 2011

Susanne Walter ist Druckgrafikerin. Die Begriffsbestimmung ist für das Wesen ihrer Arbeit von enormer Bedeutung. Neben den entsprechenden Techniken ist die tatsächliche körperliche Bemühung ein wesentliches Moment; letztlich entscheidet Kraft, was und wie viel auf dem Papier zu sehen bleibt. Andererseits verkürzt Susanne Walter den Entstehungsprozess um den essentiellen Teil der Druckstockherstellung. Als so was dient, was sich findet: benutzte resopalbeschichtete Schneidebrettchen aus der eigenen Küche; Baumstümpfe in Parks und Wäldern.

Diese Handhabung einer künstlerischen Begabung, dieser Einsatz der entsprechenden Techniken und Präsentationsmuster, dieses Angebot an das ästhetische Rezipieren des Betrachters wirkt wie eine neue Stufe auf dem Weg hin zu einer Verbürgerlichung von Kunst. Wie wichtig ist das eigene gelebte Leben für die Kunst, die man schafft? Welchen Einfluss haben unsere Bewegungen, Begegnungen oder Hinterlassenschaften auf ihr Erscheinungsbild? Wie autonom ist Kunst gegenüber dem, was Leben ist? Susanne Walter stellt sich als Kunstarbeiterin nicht außerhalb des Alltäglichen, sondern ist Teil davon. Das bezeugen ihre Arbeiten. Sie reagiert auf Erlebnisse, auf vorgefundene Materialien oder Umstände. Das Prinzip ist, dass das Kunstwerk kein Endergebnis darstellt (sic!) oder ist, sondern mittendrin steckt im Sehen und Erleben, Anfassen, Spüren, Heben, Tragen und was man sonst alltäglich so macht. Das Kunstwerk kann dafür ein (sichtbarer) Ausdruck sein, oder besser noch: ein Abdruck.

Stefan Skowron, Aachen, März 2011